Meuser, Noemi Pfister
Wo stehst du mit deiner Kunst, Kolleg*?
  • Dates
    22 May 2026 - 22 August 2026
  • Opening reception
    Thursday, 21 May 2026, 6:00 pm - 8:00 pm
  • Artists
  • in collaboration with Meyer Riegger

    Special opening hours:
    Saturday, 22 August 2026, 2 – 5 pm

Press Release

Den zwei KünstlerInnen, Meuser und Noemi Pfister, die fast 45 Jahre auseinanderliegen, könnte die Frage gestellt werden: Wo stehst du mit deiner Kunst, Kolleg*?
Sie wurde zugleich zum Titel der Ausstellung, ist Titel einer Malerei von Pfister und stammt ursprünglich aus einer Arbeit von Jörg ImmendorJ aus dem Jahr 1973, die ein Dilemma auf den Punkt bringt: Kann die Atelierpraxis von KünstlerInnen eine Relevanz haben, wenn draussen die Welt in Unruhe ist?

Noemi Pfister nimmt diese Frage auf und zeigt in dieser Ausstellung eine Serie neuer kleinformatiger Bilder, die einen Schlüssellochblick in die Kunstwelt gewähren. Im Zentrum stehen zwei ihr vertraute Kindheitsfiguren: Krtek, der kleine Maulwurf und Pumuckl, der rothaarige freche Kobold aus der Kinderbuchserie. Pfister inszeniert sie als KünstlerInnen, SammlerInnen und BesucherInnen, die in direkte Interaktion mit bekannten Werken der Kunstgeschichte treten und rückt so mit Humor die Mechanismen der Kunstwelt ins Bild. Ne Travaillez Jamais zeigt Pauli erschöpft auf dem Sofa seines Ateliers, Precarious Working Conditions einen Künstler, der das Atelier verlässt, um seinem Brotjob nachzugehen und dazwischen Pumuckl, der zufrieden sein neu angekauftes Werk betrachtet. Pfister fragt mit leichter Hand, was es bedeutet, Kunst zu machen und zu zeigen – und wie dabei die Massstäbe gesetzt werden.

Meuser hingegen blickt aus einer anderen Generation und mit anderen Mitteln auf dieselbe Frage. Er studierte in der Beuys-Klasse an der Düsseldorfer Akademie, während einer Zeit, in der die Frage nach der gesellschaftlichen Relevanz von Kunst so drängend war, dass das Kunstmachen selbst fast zum Stillstand kam. Jörg ImmendorJ’s Hört auf zu malen traf damals genau diesen Nerv. Meusers Antwort darauf war keine programmatische, sondern eine pragmatische: Dem Pathos etwas entgegensetzen, die Dinge in einen Wirklichkeitsrahmen zurück rücken.
Mit Fundstücken vom Schrott, Objekten mit unklarer Funktion und eigenem Leben arbeitete er sich zur Kunst vor. Täglich, konkret, ohne große Gesten. Seine Skulpturen spielen mit Bedeutung, ohne einen Anspruch auf Erleuchtung. Was bleibt, ist eine Kunst, die den Boden nicht verlässt: lakonisch, humorvoll, von stiller Konsequenz.

Zwei Haltungen, die sich spiegeln: Pfister beantwortet die Frage mit liebevoller Selbstironie nach aussen, in die Mechanismen der Kunstwelt hinein. Meuser beantwortet sie nach innen, in die eigene Praxis, in das Material. Meuser stammt aus derselben Generation und Szene wie Jörg ImmendorJ. Noemi Pfister, fast 45 Jahre jünger, ist heute in jenem Alter, in dem ImmendorJ damals war, als er das Werk Wo stehst du mit deiner Kunst, Kolleg? malte. In Basel werden die beiden Positionen nun erstmals gemeinsam gezeigt.

The two artists, Meuser and Noemi Pfister, who are nearly 45 years apart in age, might be asked: Wo stehst du mit deiner Kunst, Kolleg*? (Where do you stand with your art, colleague?) This question, which also serves as the title of the exhibition, is a line from a painting by Pfister and originates from a work by Jörg Immendorff made in 1973. A work that captures a dilemma with precision: can an artist's studio practice be of any relevance when the world outside is in turmoil?

Noemi Pfister takes up this question and presents, in the exhibition, a series of new small-format paintings that offer a keyhole view into the art world.
At the centre are two familiar figures drawn from her childhood: Krtek (known in the German version as Pauli), the little mole from the Czech animated series, and Pumuckl, the red-haired mischievous goblin from the German children's book series Meister Eder und sein Pumuckl. Pfister stages these characters as artists, collectors and visitors engaging directly with well-known works from art history, bringing the mechanisms of the art world into focus with humour. Ne Travaillez Jamais shows Pauli exhausted on the sofa of his studio; Precarious Working Conditions depicts an artist leaving the studio to attend to his day job – and between these, Pumuckl contentedly contemplating a newly acquired work.
With a light touch, Pfister asks what it means to make and show art, and how the standards by which it is judged are set.

Meuser, by contrast, approaches the same question from a different generation and with different means. He studied in Joseph Beuys's class at the Düsseldorf Academy, at a time when the question of art's social relevance was so pressing that artmaking itself nearly came to a standstill. Jörg Immendorff's Hört auf zu malen (Stop Painting) struck precisely that nerve. Meuser's response was not programmatic but pragmatic: to push back against pathos, to pull things back into the frame of reality.
Working with found objects from scrap yards – objects of unclear function and a life of their own – he made his way toward art. Every day, concretely, and without grand gestures. His sculptures play with meaning without laying a claim to ‘enlightenment’. What is left is an art that remains grounded: laconic, humorous and quietly uncompromising.

Two attitudes that mirror each other: Pfister answers the question with affectionate self-irony, directed outwards towards the mechanisms of the art world. Meuser answers it inwardly, into his own practice, into the material.
Meuser comes from the same generation and scene as Jörg Immendorff.
Noemi Pfister, nearly 45 years his junior, is today the same age that Immendorff was when he painted Wo stehst du mit deiner Kunst, Kollege?
In Basel, the two artists are shown together for the first time.

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Press
Meuser / Noemi Pfister

by Adrian Dürrwang, Kunstbulletin*

Bei Noemi Pfister planscht ein Pumuckl im Urinal; bei Meuser mahnt ein Topf auf einer Metallstange an eine Stehlampe. In der Schau bei Nicolas Krupp liegt der Unterschied zwischen den zwei Positionen nicht bloss in den fast 45 Jahren, er ist Programm: Wo stehst du mit deiner Kunst, Kolleg*? lotet aus, welche Massstäbe ans eigene Schaffen gelegt werden.

Noemi Pfister(*1991), bekannt für verrätselte grossformatige Malerei, greift in ihrer Kleinformat-Serie das Titelzitat Jörg Immendorfs von 1973 auf: Da malt etwa Krtek, der kleine Maulwurf, in einer Atelierszene – zwei Pinsel in den Händen und einer zwischen den Zähnen – an mehreren Bildern. Diese Zeichentrickfigur wie auch der rothaarige Kobold werden als Teil des Kunstsystems, einmal produzierend, dann wieder sammelnd, inszeniert. Pfister hinterfragt ironisch Mechanismen der Wertzuschreibung.

Und das macht auch Meuser (*1947), ein Beuys-Schüler im Düsseldorf der 1970er-Jahre. Nach Immendorfs revolutionärem Aufruf «Hört auf zu malen» fand er zu einer eigenen puristischen Formensprache, die er bis heute ohne grosse Geste mit einfachen Materialien wie Fundstücken oder Schrott pflegt: Seine Objekte wie besagte Lampe (2012) oder Besser im Flur (1990-2026), das mit bemalter Stahlplatte und rostfarbener Trägerkonstruktion an ein Dielenmöbel erinnert, oszillieren zwischen Präsenz und Beiläufigkeit.

Keine familiäre Generationenbe gegnung: Ein geerdeter Senior und eine selbstbewusste Junge legen einander ihre Überzeugungen vor.

*read original Kunstbulletin article, 7-8 / 26

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Wo stehst du mit deiner Kunst, Kolleg*?

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